LOFAR
Das grösste Radioteleskop der Welt

von Jürgen Morawietz

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt arbeitet man im Norden der Niederlande derzeit mit Hochdruck an einem Instrument, das einmal das größte Radioteleskop der Welt werden soll. Federführend ist hierbei das niederländische Forschungsinstitut ASTRON, das auf über 50 Jahre astronomische Forschung zurückblicken kann und mit dem Westerbork Synthese Teleskop (WSRT) bereits eines der leistungsfähigsten Radioteleskope der Welt geschaffen hat.

Mit einem Durchmesser von 350 Kilometern soll nun mit dem Low Frequency Array (LOFAR) ein neues Radiofenster zum Kosmos geöffnet werden. Während sich seit den Anfängen der Radioastronomie die Beobachtungen aus technischen Gründen zu immer höheren Frequenzen verschoben haben, soll LOFAR jetzt neue Erkenntnisse im Frequenzbereich zwischen 10 bis 250 MHz liefern. So gibt es Theorien, dass gewaltige Zusammenstöße zwischen Neutronensternen oder Schwarzen Löchern "Radioblitze" in diesem Frequenzbereich erzeugen. Diese konnten mit heutigen Beobachtungsinstrumenten jedoch noch nicht beobachtet werden. Aber auch für neue Erkenntnisse der Sonnenphysik und über unsere Ionosphäre erscheint LOFAR prädestiniert.
LOFAR Antenne
LOFAR Antennenelemente vor dem 25 Meter Dwingeloo Teleskop
LOFAR Antenne
Mögliche Konfiguration von LOFAR-Core und Stationen

Hierbei kommen moderne Techniken wie Hochgeschwindigkeitsdatenübertragung in Glasfasernetzen, Digitale Signalprozessoren und schnelle preiswerte Computerplattformen unter Linux zum Einsatz. Mit moderner digitaler Signalverarbeitung wird es erstmals möglich, schwache Signale, die bisher im Sumpf von Rundfunk- und Fernsehsendern untergingen, herauszufiltern. Über 25.000 pyramidenförmige Antennenelemente formen dabei eine 350 Kilometer grosse Struktur, deren Auflösungsvermögen dem eines 350 km grossen einzelnen Parabolspiegels entsprechen. Der Kern des Instruments nimmt dabei eine Fläche von 320 Hektar ein, während sich weitere 100 Stationen von jeweils 2 bis 4 Hektar spiralförmig in alle Himmelsrichtungen erstrecken und damit auch teilweise auf deutschem Gebiet plaziert werden. Die Kosten für die Realisierung werden auf 120 Millionen Euro geschätzt. Hinzu kommen noch weitere 35 Millionen Euro an Forschungs- und Entwicklungskosten. Die Initial Test Station (ITS) bestehend aus 100 Antennenelementen soll noch im Spätsommer diesen Jahres erste Daten liefern.

Bericht: Jürgen Morawietz
Quelle: ASTRON Presseinformationen
Foto/Grafik: © ASTRON


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last modified: June, 23rd 2003